Blog post
21.09.2026

Kreativer KI-Content im Marketing: 3 Beispiele, die wirklich funktionieren

Drei eigene Kampagnen zeigen, wie KI im Marketing über den Durchschnitt hinauskommt: kombiniert mit echtem Dreh, als interaktives Markenerlebnis oder zur gezielten Steigerung der Hook-Rate auf bis zu 48 %.

Viel KI-Content sieht austauschbar aus, weil Modelle auf den Durchschnitt zielen und der Durchschnitt keine Marke unterscheidbar macht. Gut wird er erst, wenn echtes Handwerk und eine klare Markenidee dazukommen. Drei Ansätze aus eigenen Kampagnen funktionieren dabei besonders gut: hybride Produktionen aus echtem Dreh und KI-Veredelung, der interaktive KI-Plattformen und Retention-Hacking, das die Hook-Rate von 19 % auf 48 % gehoben hat. Genauso klar benennen wir, was scheitert, etwa vorgetäuschte Echtheit über KI-Influencer oder Produktbilder mit sehr exakten Vorgaben. Unterm Strich verstärkt KI gute Arbeit. Marke und Haltung bleiben Sache der Menschen.

Die meisten KI-Kampagnen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Ein Modell zielt eben auf den Durchschnitt seiner Trainingsdaten, und der macht keine Marke unterscheidbar. Trotzdem entsteht mit KI gerade richtig guter Content. Man darf sie nur nicht allein arbeiten lassen.

Produktbilder und Videos mit KI erstellen: hybride Produktionen

Bei hybriden Produktionen drehen wir die markenrelevanten Elemente live vor Ort: das Produkt, seine Form, seine Oberfläche. Erst danach kommt KI ins Spiel. Aus den Aufnahmen entsteht mit KI-Tools und Bildbearbeitung ein neues, hochwertiges Format, mit anderer Umgebung und größerem Maßstab. Der Kern bleibt echt, gebaut wird nur die Bühne drumherum.

Das löst ein sehr praktisches Problem. Rein generierte Produktbilder scheitern oft an den Details, sobald Form und Stil exakt stimmen müssen. Ein reales Shooting liefert genau diese Genauigkeit, und KI liefert anschließend die Menge an Varianten. Für Bewegtbild nutzen wir Modelle wie Gemini Omni. Damit lässt sich vorhandenes Material gezielt verändern, etwa der Hintergrund oder einzelne Objekte, während der Rest der Szene unverändert stehen bleibt.

Beispiel für eine hybride Produktion

Hook-Rate im Video steigern: Retention-Hacking mit KI

Beim Retention-Hacking geht es um die ersten Sekunden. Kleine KI-Eingriffe im Video entscheiden darüber, ob jemand weiterschaut oder wegwischt: ein stärkerer Einstieg, eine klare Hook gleich am Anfang. In einem unserer Formate ist die Hook-Rate dadurch von 19 % auf 48 % gestiegen, also der Anteil der Zuschauer, die nach drei Sekunden noch dabei sind. Dabei haben wir nur eine kleine Änderung gemacht: Im Hintergrund fährt ein Auto auf die Zuschauer zu. Und das startet einen "Open Loop" also eine Aktion, die nicht abgeschlossen wird, wenn wir nicht weiterschauen. Ein psychologisches Phänomen, das wir mithilfe von KI (hier Gemini Omni Flash) in wenigen Sekunden optimieren können.

Beispiel für Retention Hacking mit KI

Interaktive Brand Experience mit KI auf Events

Gemeinsam mit der EnBW ODR haben wir ein interaktives Markenerlebnis gebaut. Auf der Landesgartenschau erstellen Besucher ihr eigenes Erinnerungsfoto mit dem Maskottchen ODRi. Im Hintergrund laufen Bildgenerierungsmodelle, abgesichert über mehrere Kontrollmechanismen, damit am Ende nur markensichere Bilder entstehen.

Der Reiz steckt weniger in der Technik als im Moment selbst. Die Marke wird zu etwas, das man mitnimmt und weitererzählt. Aus einem einzelnen Foto wird ein Community-Feature, und das in einer Geschwindigkeit und mit einer Personalisierung, die früher aufwendig und teuer gewesen wären.

Beispiel für ein interaktives Markenerlebnis mit KI

Warum funktionieren KI-Influencer und Testimonials nicht? Uncanny Valley.

Da, wo KI Echtheit vortäuschen soll, kippt sie am schnellsten. KI-Influencer, synthetische Testimonials oder komplett generierte Menschen im Video wirken fast echt, und genau das ist das Problem. Dieser Effekt hat einen Namen: Uncanny Valley. Was fast menschlich wirkt, aber eben nicht ganz, löst Unbehagen aus. Das Publikum merkt das oft schneller, als man denkt, und schaltet dann eher ab, statt Vertrauen zu fassen.

Für uns heißt das: KI eignet sich gut, um vorhandenes Material zu veredeln oder Varianten zu erzeugen. Sobald sie sich als echter Mensch ausgeben soll, lassen wir es.

Uncanny Valley & Reaktionen auf KI-Content auf Instagram

Welcher KI-Content funktioniert im Marketing – und welcher nicht?

Wichtig: Das ist unsere anekdotische Erfahrung. Nicht jeder KI-Einsatz zahlt sich aus. Was bei uns zuverlässig funktioniert:

Dieser KI-Content funktioniert gut:

  1. Statische Ads:  Statische Werbeanzeigen mit realistischer Optik
  2. Hybride Produktionen: Mischung aus echten Inhalten und Anpassungen mit KI
  3. Retention-Hacking: KI-Bearbeitung in Videos zur Steigerung der Aufmerksamkeit
  4. Stilisierte Inhalte: Animierte oder offensichtliche KI-Inhalte (z.B. Retro-Look)

Dieser KI-Content funktioniert nicht gut:

  1. Authentischer Content:  AI Influencer, Testimonials und Menschen in Videos
  2. Komplexe Produktbilder: Produktbilder mit exakten Anforderungen an Form + Stil
  3. AI-Content-Workflows:  Automatisierte  und regelbasierte Erstellung von KI-Inhalten

Wofür sich kreativer KI-Content lohnt im Marketing lohnt

KI ist stark, wenn es um Menge und Varianten geht und darum, vorhandenes Material aufzuwerten. Marke und Haltung bleiben Sache der Menschen. Die besten Ergebnisse entstehen an der Naht zwischen echtem Handwerk und KI als Verstärker. Wer die Reihenfolge einhält, bekommt Content, der auffällt. Alle anderen produzieren eine weitere Variante des Durchschnitts.

Kein einzelnes Tool macht diesen Unterschied. Es geht um den Prozess und um die Frage, welches Modell welchen Schritt am besten übernimmt. Und diese Modelle ändern sich, um ehrlich zu sein, nahezu monatlich.

Autor/-in
Jones Horn

Jones Horn unterstützt Unternehmen dabei, Künstliche Intelligenz und Automation sinnvoll in ihre Prozesse und Datenlandschaft zu integrieren. Sein akademischer Hintergrund im Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet betriebswirtschaftliches Denken mit Methoden des Operations Research – die Basis für pragmatische, datengetriebene Lösungen.

Weitere Artikel