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22.07.2026

ChatGPT Werbung: Warum das große Versprechen (noch) nicht hält

ChatGPT Werbung sollte KI-Anbietern Milliarden bringen. Die Realität sieht anders aus. Wir zeigen, woran Werbung in KI-Antworten scheitert und was das für Marken bedeutet.

Seit Monaten wird ChatGPT Werbung als nächster großer Umsatzhebel für KI-Anbieter gehandelt. Bisher ohne Erfolg: OpenAI verfehlt die eigene Werbeumsatz-Prognose deutlich, Perplexity hat Werbung in seinen Antworten komplett wieder abgeschafft, und Google hält sich bei generativen Antworten vorerst zurück. Dabei bräuchten die KI-Anbieter genau diese Werbeeinnahmen dringend, um ihre Milliardenverluste auszugleichen.

In diesem Beitrag ordnen wir ein, woran ChatGPT Werbung strukturell scheitert, warum ausgerechnet Vertrauen und Transparenz zum Problem werden, und was das für Marken bedeutet, die auf Sichtbarkeit in KI-Antworten angewiesen sind.

Beispiel von ChatGPT Werbung in den USA

Reality-Check: Große Erwartung, kleine Zahlen

Die großen KI-Anbieter haben lange den Eindruck vermittelt, ChatGPT Werbung und ähnliche Formate würden schon bald ein riesiges Geschäft werden. Die Realität sieht anders aus: OpenAI liegt mit seinen Werbeeinnahmen rund 90 Prozent unter der eigenen Prognose für 2030. Perplexity ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat Werbung in seinen Chat-Antworten vollständig gestrichen.

Wie klein diese Zahlen im Branchenvergleich wirken, zeigt ein Blick auf Google. Allein im ersten Quartal 2026 verdiente der Konzern rund 77 Milliarden US-Dollar mit Werbung, etwa das 15-fache dessen, was der gesamte KI-Chatbot-Ad-Markt bis 2030 überhaupt erreichen soll. Von einer echten Konkurrenz zu Google ist die Branche also noch weit entfernt.

Warum Werbung in ChatGPT-Antworten nicht funktioniert

Anders als bei Google oder in Social Media lässt sich Werbung in einer KI-Antwort kaum sauber vom restlichen Text trennen. Eine ChatGPT-Antwort wirkt wie ein einzelnes Gesamturteil und nicht wie eine Abfolge einzelner Ergebnisse mit klar getrennten Anzeigenplätzen. Das schafft gleich mehrere strukturelle Probleme:

Vertrauen: Nutzer erwarten von Chatbots eine möglichst neutrale Antwort. Sobald Werbung auftaucht, zweifeln sie schneller an der Objektivität des gesamten Systems.

Transparenz: In einem zusammenhängenden Antworttext ist kaum erkennbar, was organisch entstanden ist und was bezahlt wurde. Genau dieses Problem hat Perplexity selbst als Grund für den Rückzug von Werbung genannt.

Messbarkeit und Brand Safety: Klicks und Attribution lassen sich in Chat-Interfaces schlechter zuordnen als in Search oder Social Media. Gleichzeitig wissen Werbetreibende oft nicht, in welchem Kontext ihre Marke in einer dynamisch generierten Antwort erscheint.

Solange KI-Antworten als vertrauenswürdige Beratung wahrgenommen werden wollen, bleibt ChatGPT Werbung ein grundsätzlicher Zielkonflikt und kein reines Umsetzungsproblem.

Vertrauen in KI-Chatbots laut Accenture Consumer Pulse Report

ChatGPT Ads in Deutschland: Der aktuelle Stand

Zur Einordnung: ChatGPT-Ads sind bereits verfügbar, allerdings bisher nicht in Deutschland. Erste Erfahrungen aus anderen Märkten fallen gemischt aus. Die Eintrittsbarriere ist hoch, viele Klicks kommen aus dem Mid-Funnel, während die Conversions bislang eher überschaubar bleiben. Von einem etablierten, verlässlichen Werbekanal ist man auch dort noch weit entfernt.

Was das für Marken und Sichtbarkeit bedeutet

Für Marken heißt das: Organische Sichtbarkeit bleibt der zuverlässigere Hebel, solange bezahlte Platzierungen in KI-Antworten weder flächendeckend verfügbar noch in ihrer Wirkung klar belegt sind. Entsprechend führt für Marken kaum ein Weg an GEO (Generative Engine Optimization) vorbei, wenn sie in ChatGPT-Antworten und anderen KI-Antworten überhaupt vorkommen wollen.

Gleichzeitig verändert sich das Verhalten dort, wo Werbung heute bereits funktioniert. Bei Google fällt zunehmend auf, wie stark bezahlte Anzeigen inzwischen wie organische Ergebnisse aussehen, teilweise sogar oberhalb der KI-Antwort platziert.

Ein weiterer Punkt betrifft direkt die Nutzer: Wenn sich KI-Tools nicht ausreichend über Werbung finanzieren lassen, wird die Nutzung langfristig teurer werden müssen. OpenAI und andere Anbieter kämpfen bereits jetzt mit erheblichen Umsatzproblemen, an Profitabilität ist aktuell nicht zu denken. Es ist davon auszugehen, dass Abo-Modelle für ChatGPT und vergleichbare Tools in den kommenden Jahren teurer werden.

KI-Antworten finden in Google immer häufiger über klassischen bezahlten Anzeigen statt

Fazit

ChatGPT Werbung ist noch weit davon entfernt, ein verlässlicher Werbekanal zu werden. Vertrauen, Transparenz und Messbarkeit stehen dem strukturell im Weg, nicht nur technische Details der Umsetzung. Für Marken bedeutet das: Wer heute schon in KI-Antworten sichtbar sein will, kommt an GEO nicht vorbei, unabhängig davon, wie sich ChatGPT Ads in den nächsten Jahren entwickeln.

Autor/-in
Luca Regner

Luca Regner ist Geschäftsführer der ahead GmbH in Stuttgart und begleitet Unternehmen in Projekten rund um Künstliche Intelligenz, Automation und Daten. Zuvor war er als selbständiger Berater mit Fokus auf Automation und CRM tätig. Akademisch forschte er zum Einsatz von KI im E-Commerce sowie zur Verhaltensökonomie.

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